In Hamburg sagt man Tschüss!

Das Ende meiner Hamburgreise

Sie ist vorbei – meine Hamburgreise. Ich sitze auf dem Sofa in meiner Wohnung auf Zeit in Berlin. Ungläubig schaue ich auf meine Umzugskisten und kann es noch nicht so richtig fassen, dass dieses Kapitel nun „nur noch“ aus Erinnerungen besteht. Was bleibt sind aber nicht nur Erinnerungen, sondern Freundschaften,  wundervolle Begegnungen und unzählige Erfahrungen.

Ich bin froh über den Schritt, den ich vor 2 Jahren gegangen bin: Ich habe mich von vielem „alten“ verabschiedet: Meiner langen Beziehung, meiner Heimat, für eine Weile von Freunden und meiner Familie. Vor allem der Abschied von meinem ehemaligen Freund ist mir sehr schwer gefallen. Ich habe dennoch gespürt, dass es der richtige Schritt ist. Ich bereue meine Schritte nicht im Geringsten, die ich im Jahre 2014 gegangen bin. In dem Jahr, dem ich dem Thema „Raum geben und Raum nehmen“ gewidmet habe. Ich erinnere mich an die Worte eines Menschen, der mir damals sagte, manchmal müsse man etwas in tausende Stücke zerbrechen lassen, um das Bild dann wieder neu zusammen zu puzzeln.

Ich habe seit diesem Jahr bewusst auf mein Bauchgefühl und meine Seelenstimme gehört. Ich bin beeindruckt von der Vielfalt der Dinge, die mir dadurch geschenkt wurden. Jetzt befinde ich mich genau an dem Ort, wo ich mich nach dem Abschied von meinem ehemaligen Freund vor fast genau 2 Jahren befunden habe. Genau dort, von wo aus ich mich auf meine Reise nach Hamburg aufgemacht habe. Ein verrücktes Gefühl wie sich der Kreis zu schließen scheint, bevor ich mich auf meine nächste Reise mit einem stark veränderten „Ich“ aufmache.

Warum ziehst du immer weiter, wenn du doch glücklich bist?

Meine Mutter fragte mich beim Verabschieden meines WG Gartens, ob ich mir eventuell manchmal selber nicht gönne, glücklich zu sein. Ob ich Veränderungen hervorrufen würde, auch wenn ich gerade mal glücklich bin. Das hat mich nachdenklich gemacht. Ist da was dran? Ich war glücklich in Hamburg. Ich hatte einen super erfüllenden Job, lebte in einer großen WG mit Garten in der ich mich zu Hause fühlte, hatte fantastische Freunde gefunden, wurde geliebt , fühlte mich in der Stadt wohl. Warum musste ich all das aufgeben, „nur“ weil mein Vertrag als Teach First Fellow beendet war? Ich hätte mir ja einfach einen anderen Job suchen können. Meine Mutter fragte mich, ob mir vielleicht manchmal die Flexibilität fehlen würde, in solchen Momenten die Pläne zu ändern und eben nicht weiter zu ziehen, sondern zu bleiben, wenn ich doch eigentlich glücklich bin.

You are a rolling stone, sagte vor ein paar Monaten jemand zu mir.

Vielleicht ist es genau das: Ich bin ständig in Bewegung, andauernd auf der Suche. Ich brauche immer neue Herausforderungen, will mich stets weiter entwickeln, brauche neue Impulse, möchte Neues entdecken. Irgendwie ist es wie eine Droge, eine Sucht. Was sich an meiner Suche seit 2 Jahren verändert hat ist, dass ich mich gestärkt fühle. Ich habe das Gefühl, einen roten Faden zu haben und dass ich meiner inneren Stimme vertrauen kann.

Anfang des Jahres war ich auf Sri Lanka. Bei der Autofahrt zum Flughafen schaute ich aus dem Fenster, ließ die wunderbaren Erinnerungen an die Zeit auf der Insel vor meinem inneren Auge an mir vorbei ziehen und wünschte mir, jetzt einfach dableiben zu können. Diese Reise nach Sri Lanka hat in mir wieder eine Sehnsucht geweckt, die ich zuvor untersdrückt hatte für eine Weile: zu reisen ohne ein bestimmtes Ende und einfach zu schauen, was passiert und passieren will. Ich fühle, dass der Zeitpunkt jetzt gerade der richtige Zeitpunkt ist. Ich weiß, dass ich es nicht bereuen werde und es einen Sinn hat.

Ich denke, es hat also nicht wirklich etwas damit zu tun, dass ich mir selber nicht gönne, glücklich zu sein. Meine Entscheidung, trotz meines Glücks Hamburg zu verlassen und mich in das nächste Abenteuer zu stürzen hat etwas mit meiner inneren Stimme zu tun, die mir sagt, dass das nun als Nächstes dran ist. Eine Jagd nach dem Glück? Nicht unbedingt. Es ist eher eine Jagd nach neuen Erfahrungen, neuen Begegnungen, neuen Einsichten und neuen Erkenntnissen über mich selber.

Auf der Suche nach einem Zuhause auf Zeit

Auf meiner Reise in Hamburg habe ich vieles gelernt. Darüber hatte ich ja bereits beim letzten Mal mehr zu geschrieben in meinem Beitrag Eine Reise geht zu Ende. Zum Beispiel habe ich gelernt, dass es sich lohnt, Umstände auf sich zu nehmen, um glücklicher zu werden und um seine inneren Bedürfnisse zu befriedigen. Nehmen wir einmal das Beispiel mit meiner WG: Als ich in Hamburg ankam zog ich in die 1. Wohnung, die ich mir anschaute. Es war der einfachste Weg und für diesen Moment fühlte es sich in Ordnung an. Es war wahrscheinlich auch gut so, nachdem ich ein paar Monate eher die schwierigen Wege gegangen bin. Ein halbes Jahr habe ich dort gewohnt. Stets mit der inneren Stimme, die mich daran erinnerte, unbedingt in einer großen WG wohnen zu wollen. Bei WG gesucht habe ich nach den WGs geschaut, die mit den meisten Männekins punkten konnten. Natürlich hatte ich mein Zimmer gekündigt, bevor ich etwas Neues hatte (wo wäre denn sonst auch der Nervenkitzel). Zwei Monate nahm mich eine gute Freundin in ihrem Zimmer auf, bevor ich endlich meine zukünftige WG (und deren Stadtvilla mit Garten) betrat und wusste: Hier werde ich leben. Und ich durfte es auch. Die ganzen Umstände und der Stress hatten sich mal wieder absolut gelohnt. Ich habe ein wundervolles Jahr in dieser WG verbracht, welches ich auf keinen Fall missen möchte.

Wertvolle Begegnungen

Auf meiner Hamburgreise bin ich so vielen Menschen begegnet, von denen ich etwas lernen konnte. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich glaube ja, dass viele Begegnungen genau zur richtigen Zeit passieren. Genauso, wie man bestimmte Situationen anzieht, zieht man auch Menschen an. Das wurde mir in den letzten zwei Jahren sehr bewusst.

Ich danke alle Menschen, die mich auf meiner Reise begleitet haben in den letzten zwei Jahren. Meinen wunderbaren Teach First Fellow FreundInnen, meiner alten Schulfreundin, meinen bisher weitaus besten WG MitbewohnerInnen, weiteren wunderbare FreundeInnen, meiner Familie, meinen KolegInnen, meinen SchülerInnen, meinem Mentor, den Männern, die für eine manchmal kürzere und manchmal längere Zeit in mein Leben getreten sind. Vor allem dem Mann an meiner Seite während meiner letzten Monate in Hamburg, von und durch den ich einiges lernen konnte, vor allem auch über mich selber.

Danke für:

  • euer Vertrauen in mich
  • eure Freundschaft
  • eure Ehrlichkeit
  • eure Zuneigung
  • eure Liebe
  • eure Geduld mit mir
  • das Inspirieren
  • so viele schöne Momente
  • die Möglichkeit, von euch zu lernen
  • eure große Wertschätzung
  • euer aufmerksames Zuhören
  • euer Vergeben
  • eure konstruktive Kritik
  • den gemeinsamen Spaß
  • das Zeigen neuer Dinge
  • das Mitreißen
  • das trösten
  • das Mutmachen
  • das gemeinsame Lachen
  • die tollen Gespräche
  • eure Unterstützung
  • eure Nähe
  • das Gefühl, etwas Besonderes zu sein
  • eure Fähigkeit, mich zu sehen, wie ich bin

Ihr habt mein Leben bereichert, wofür ich euch unsagbar dankbar bin.

Auf ein Wiedersehen!

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