Erste Naturerlebnisse in Uganda

28.10.2016

Dieses Erlebnis hatte ich mit meiner Freundin in meiner ersten Woche in Uganda vor knapp einer Woche. Inzwischen befinde ich mich in Entebbe, Uganda, direkt am großen Viktoriasee.



Endlich ganz viel Grün! 

Was für ein schönes Gefühl, in der Nacht in Uganda anzukommen, die Schönheit der Natur nur erahnen und am nächsten Tag auf eine wunderschöne und grüne Hügellandschaft runterschauen zu können. Als erste große Aktivität stand eine Tiersafari auf dem Programm. Zu Beginn unserer kleinen Reise in die Welt der Tiere können wir den kraftvollsten Wasserfall des Nils bestaunen – den Murchisonfall. Neben diesem imposanten Wasserfall bahnt sich ein kleinerer den Weg in die Tiefen. Es wird erzählt, dass dieser Wasserfall im Jahr der Unabhängigkeit 1962 geboren wurde und deswegen „freedomfall“ genannt wird. Wenn das wirklich wahr ist, wäre das ein sehr schönes Symbol. Am Fuße des Wasserfalls entdecken wir etwas großes Schwimmendes. Es ist ein Nilpferd, welches den tosenden Wasserfall hinuntergestürzt ist und nun wie ein aufgeblasender Luftballon, mit allen Vieren nach Oben gestreckt von den Wellen des großen afrikanischen Flusses hinfortgetragen wird.

Auf den Spuren wilder Tiere

Die Nächte verbringen wir in eine Camp am Rande des Nationalparks. Die Freude und Überraschung ist groß, als wir richtige Betten in den Zelten entdecken. Früh am Morgen machen wir uns mit dem Safariauto unseres Tourenanbieters auf den Weg in den Park. In der Dämmerung sehen wir die ersten Antilopen herumspringen, von denen es viele unterschiedliche Arten gibt. Ich habe auf meinen bisherigen Reisen bereits Elefanten und Löwen gesehen. Was ich erblicken möchte sind Giraffen. Der Moment, in dem ich das erste Mal in meinem Leben eine Giraffe in freier Wildbahn erleben darf ist beeindruckend: Ich bin ganz aus dem Häuchen, als ich diese wunderschönen, eleganten und farbenfrohen Tiere in der Ferne sehe. Ich durchströmt mich eine Welle an Begeisterung. Wenn sie anfangen zu rennen sieht es so aus, als hätte jemand auf einen „slowmotion“-Knopf gedrückt. Sie schauen niedlich aus, wenn sie ihre Hälse verbiegen, um an ihre Leibspeise den Akazienbäumen zu kommen. Je dunkler die Farbschattierungen dieser Tiere sind, desto älter sind sie. Meine Freundin und ich können gar nicht so richtig glauben, dass wir diese ganzen Tiere wirklich in ihrer natürlichen Umgebung sehen und wir tatsächlich in Uganda, tatsächlich in Afrika sind. Es ist interessant, wie schnell sich das Gehirn an das Sichten der wilden Tiere gewöhnt. „Ach, schon wieder eine Antilope…und hier eine Giraffe“. Der Moment der ersten Giraffe ist natürlich der Beeindruckenste. Dennoch bin ich jedes Mal begeistert, wenn wir Elefanten, Giraffen und besondere Vögel erblicken. 

Den Mund aufmachen wie die Nilpferde

Nach einer Weile kommen wir an einen See, welcher mit Seerosen übersäht ist. In der Mitte des Sees kühlen imposante Nilpferde ihre dicke, graue Haut und bekommen bei ihrer Hautpflege Unterstützung durch weiße, kleine Vögel. Ich habe wieder einen dieser Momente, wo ich gerne sämtliche Menschengeräusche der größeren Gruppen um mich herum abschalten möchte. Ich bitte unseren Fahrer zumindestens den Motor abzuschalten, auch wenn wir danach eventuell Schwierigkeiten beim Losfahren bekommen könnten. Das ist etwas, was ich gelernt habe: Den Mund aufzumachen, wenn mich etwas in einem Moment stört, was man leicht ändern kann. Vor ein paar Jahren hätte ich mich das nie getraut. Aber inzwischen bin ich der Überzeugung, dass man Dinge manchmal einfach freundlich erfragen kann und sich damit erspart, unglücklich zu sein und diesen inneren, sich aufstauenden Druck zu spüren. Das fängt bei der Frage nach dem Abschalten des Motors an, um die Natur genießen zu können und lässt sich auf alle anderen Situationen und Momente im Leben übertragen. Klein übt sich. Ich möchte damit nicht sagen, dass ich Meisterin im Mund aufmachen bin. Aber ich werde immer besser und versuche meinen unselbstbewussten Teil in mir zu verdrängen, welcher mir nach einer Mundaufmachaktion wie dieser versucht, ein kleines schlechtes Gewissen einzureden: „Jetzt finden die Leute dich vielleicht unhöflich oder arrogant.“ Der selbstbewusste Teil meldet sich zu Wort und gibt mir zu bedenken, dass ich es ja freundlich formuliert habe und es gut ist, die eigenen Bedürfnisse viel öfter zu äußern. Ich lasse meinen Blick über die großen Tiere schweifen und sehe auch diese das erste Mal in meinem Leben in ihrem Lebensraum. Ich spüre mein Inneres ruhen und würde mich am liebsten für längere Zeit an den See setzen, um die Tiere zu beobachten. Zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nicht, dass wir später am Abend ein ausgewachsenes Nilpferd in aller Seelenruhe zwischen unseren Zelten im Camp grasen sehen werden

Wertschätzung der Natur

Ich glaube ich habe noch nie so viel Geld für eine kurze Tour während meiner Reisen ausgegeben. Hier in Uganda sind die Touren und Aktivitäten unfassbar teuer und ich muss wohl gut auswählen, wenn ich mit meinem monatlichen Budget auskommen möchte. Dennoch bin ich sehr froh, diese besondere kleine Reise gemacht zu haben, bei der sich zum Glück die Jeeps nicht gegenseitig gejagt haben und wir relativ alleine im Park waren. Eine richtige Safari zu unternehmen war schon immer eines meiner Träumchen gewesen. Es war eine tolle Erfahrung und es tat meiner Seele gut, in der ruhigen und unglaublich weiten Natur Begegnungen mit so vielen Tieren gehabt zu haben. Solche Erfahrungen lassen mich die Natur noch einmal mehr wertschätzen.

Am letzten Morgen sind wir gefühlt als einziges Auto im Park unterwegs und bahnen uns den Weg zum Ausgang. In aller Ruhe können wir die Tiere noch einmal beobachten und lassen uns Zeit, uns von ihnen zu verabschieden. Im Auto wird es ruhig und es herrscht eine andächtige Stimmung, während uns der Fahrtwind freundlich ins Gesicht pustet und die Sonne langsam anfängt, unsere Haut zu wärmen.

Fragen an dich:

* Hast du schon einmal wilde Tiere in ihrer freien Wildbahn gesehen? Falls ja: Wie hast du dich beim ersten Mal gefühlt?

* In welchen Momenten traust du dich, den Mund aufzumachen, deine Bedürfnisse zu äußern? Was hält dich oft davon ab? Was war das letzte Mal, dass du dich geärgert hast, deine Bedürfnisse nicht zu äußern? Wovor hast du Angst? Wie reagieren die Menschen darauf, wenn du deine Bedürfnisse äußerst?   

  

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