Mein Monat in der Social Innovation Academy – vom voneinander Lernen 

Ich bin überwältigt! Es ist lange her, dass mir lediglich ein Monat so viel länger vorgekommen ist auf Grund der Intensivität auf sämtlichen Ebenen. Bevor ich anfange möchte ich betonen, dass der Sinn und Zweck dieses Berichtes nicht ist, mich selbst zu beweihräuchern. Ich erwähne das, weil in mir immer noch die Angst steckt, arrogant zu wirken, wenn ich von mir in einer Art und Weise spreche oder schreibe, die ein gutes Licht auf mich scheinen lässt. Eine Freundin hat mir ein Gedicht geschickt, in dem es genau darum geht: Dass eine große Angst von vielen Menschen ist, ihr eigenes Scheinen zu sehen und zu wertschtzen. Ich möchte mit dem Geschriebenen Menschen Mut machen nicht aufzugeben, ihr eigenes Scheinen sichtbar zu machen. Ich möchte Mut machen, sich auf die Suche zu begeben nach dem Raum, wo das Licht sichtbar wird und den Menschen, die das Licht auch sehen wollen und können. In uns Menschen stecken so viele Potentiale, die sich aber erst in der richtigen Umgebung vollkommen entfalten können. 

Ich kann scheinen 

Nach diesem Monat in der Social Innovation Academy habe ich dieses starke Gefühl zu scheinen. Ein Gefühl, welches ich so intensiv erst seit circa 2,5 Jahren in mir spüre und welches ich in Momenten und Zeiten wie diesen besonders stark fühle. Für mich ist es die Erkenntnis, eine wichtige Rolle im Leben anderer zu spielen, Menschen in ihrer Entwicklung und ihren Potentialen tatsächlich unterstützen zu können, Dinge verändern zu können, wahrhaftige Anerkennung zu bekommen und auch annehmen zu dürfen, gesehen zu werden. Es ist die Erkenntnis, sich selber annehmen zu können und nicht nur das, sondern sich wirklich lieben zu dürfen und stolz auf den Menschen zu sein, der man ist. All das hat mir dieser Monat mit all seinen Facetten wieder vor Augen geführt. Genau diese Gefühle lösen diese Überwältigung aus, die ich gerade empfinde. Für jemanden wie mich, der aus mir immer noch unerklärlichen Gründen so viele Jahre jemand anderes sein wollte und sich selber nicht so richtig schätzen konnte, obwohl ich immer so viel Liebe von meiner Familie und Freunden bekommen habe, sind diese Erkenntnisse besonders wertvoll. Vielleicht kann ich mir das irgendwann einmal erklären. Ich hoffe, dass ich es irgendwann einmal kann. Ich hoffe es sogar sehr. 


Wertschätzung, Spuren hinterlassen und Lernen 

In einer der Morgenrunden der SINA TeilnehmerInnen meldete sich eine der Frauen zu Wort und machte mir ein so schönes Kompliment, was erst später so richtig zu mir durchdrang: „Danke Veronika für all deine Unterstützung in der SINA. Du hast mich eine Sache gelehrt: Dass man innerhalb nur eines Monats Gesellschaft verändern kann.“ Dieser wunderschöne Satz macht deutlich, dass Zeit nicht immer ausschlaggebend dafür ist, wie viele Spuren wir im Leben anderer Menschen hinterlassen und wie tief sie sein können. Manchmal reicht auch eine kurze Begegnung oder ein Tag, um einen Unterschied zu machen. Es fällt mir nicht so leicht zu glauben, was ich von so vielen Menschen in der SINA gehört habe beim Abschied: Dass ich etwas in ihrem Leben verändert habe und sie so viel von mir gelernt haben. Aber das Gefühl der Überwältigung zeigt mir, dass dennoch einige „Glaubenstropfen“ auf mein Herz rieseln. 


Meine Lernerfahrungen

Ich versuche im Folgenden einmal zusammen zu fassen, was ich in diesem letzten Monat alles gelernt habe:

  • Ein Monat ist nicht zu wenig, um Dinge zu verändern und einen Unterschied für eine Gemeinschaft und einzelne Menschen zu machen.
  • Ich halte es aus, einen Monat mit relativ einfachen Umständen (stinkendes Plumsklo, Wassereimerdusche und sehr eintöniges sowie geschmackloses Essen) auszukommen.
  • Ein Lernort in einer Umgebung voller Natur und Weite wirkt sich auch auf das Lernen der Menschen aus. Davon bin ich überzeugt. In mir hat die Umgebung sehr viel innere Ruhe und Verbundenheit mit der Natur ausgelöst.
  • Ich schätze Gemeinschaften, in denen Menschen darin unterstützt werden, sich selber zu entwickeln, zu entdecken und sich dabei gegenseitig helfen.
  • Ab und zu brauche ich einen Tapetenwechsel im Rahmen intensives Zusammenlebens (24h am Tag). Diese kurzen Ausflüchte helfen mir, Kraft zu sammeln, zu verarbeiten und Abstand zu gewinnen.
  • Ich habe Coachingfähigkeiten und sollte diese weiter ausbauen.
  • Ich habe Zeichentalent und brauche anscheinend wirklich Menschen, die mich darin unterstützen, meine künstlerische Ader weitaus mehr auszuleben (Danke an dieser Stelle an meinen Zeichenlehrer Edgar in der SINA, der nicht locker gelassen hat, mich zu zeichnen zu bringen.)
  • Ich kann mir an viele Sachen in anderen Kulturen gewöhnen und anpassen. Aber nicht an schlechtes Essen und an Unpünktlichkeit.
  • Meine Ehrlichkeit und Direktheit mag manche Menschen ersteinmal irritieren oder sogar vor den Kopf stoßen. Im Endeffekt sind jedoch viele Menschen sehr dankbar dafür. Eine kleine Annkdote dazu: Einer der scholars kam am letzten Tag zu mir, damit ich seine getrockneten Ananas probiere, die er mit einem Prototypenfruchttrockner hergestellt hat. Er sammelte Feedback ein. Ich bestätigte den guten Geschmack und meinte, dass ich es wirklich ehrlich meine. Dazu er: „Genau auf Grund deiner Ehrlichkeit komme ich zu dir.“ Wenn Menschen also sicher sein können, dass man ehrlich zu ihnen auf verschiedenen Ebenen ist, können, sie auch Komplimente und Anerkennung besser annehmen, weil sie wissen, dass man ehrlich zu ihnen ist.


Der Ort, an dem an anderes Lernen möglich ist

Nun möchte ich zu dem Ort kommen, der mir diese und viele weitere Lernerfahrungen ermöglicht hat. Ein wenig durftest du ja schon davon erfahren in anderen Berichten.

Die Social Innovation Academy ist ein alternativer Lernort, welcher jungen Menschen ermöglichen will, sich selber, ihre Potentiale und ihre Leidenschaften kennen zu lernen und zu entfalten. Dieser Ort ermutigt die Menschen, sich ihre eigenen Jobs zu kreieren und zu SozialunternehmerInznen zu werden. Die meisten der 18-26 Jährigen stammen aus schwierigen Verhältnissen mit den unterschiedlichsten Geschichten: Waisenkinder, Geflüchtete aus dem Kongo, Jugendliche aus zerrüttelten Familien. Viele der SINA TeilnehmerInnen (sie werden hier scholars genannt) kommen aus dem Waisenheim, in dem der Gründer Etienne vor 10 Jahren seinen Freiwilligendienst absolvierte. Er hat nach seiner Rückkehr nach Deutschland einen Verein gegründet, welcher den Waisenkindern den Schulbesuch und Abschluss ermöglichte. Nach einiger Zeit merkte er jedoch, dass auch trotz Schulabschluss oder sogar Universitätsabschluss das Finden einer Arbeit extrem schwierig ist. Diese Erkenntnis war die Initialzündung für die Idee der Social Innovation Academy, welche inzwischen drei Jahre als ist. 
Wie die Social Innovation Academy funktioniert

Die Jungen Menschen können sich bei der SINA bewerben und werden im Rahmen eines Auswahltages ausgewählt. Was zählt ist Persönlichkeit und der Wille zur Veränderung. Die scholars durchlaufen verschiedene Stufen, in denen sie sich persönlich weiterentwickeln und an ihren Sozialunternehmen arbeiten können.
Stufe 1: Confusion Stage

Die scholars beschäftigen sich viel mit sich selber und bekommen Grundkenntnisse in verschiedenen Bereichen im Rahmen von Workshops und Diskussionsrunden. Auf dem Programm stehen Dinge wie Feedback geben, Gewaltfreie Kommunikation, Persönlichkeitsentwicklung, Computerkenntnisse, Komfortzonenaktivitäten, Finden von Stärken, etc. Das Programm ist realtiv straff geplant, sodass die jungen Menschen eine Orientierung bekommen und einen Rahmen, in dem sie sich aufgehoben fühlen.

Stufe 2: Emerging Stage

In dieser Stufe wird Persönlichkeitsentwicklung mit Grundkenntnissen des Unternehmertums verbunden. In der Vergangenheit war diese Stufe relativ offen gestaltet: Es gab hin und wieder Seminare und den scholars wurden Coaches zur Seite gestellt. Für manche der scholars resultierte die plötzlich nicht mehr so organisierte Struktur jedoch, dass sie sich etwas verloren. In der Zeit in der ich da war entwicklenten wir gemeinsam ein Trainingsprogramm, welches den scholars vor allem in der Anfangszeit dieser Stufe mehr Orientierung und Input ermöglicht auf der Ebene der Persönlichkeitsentwicklung. Auf dem Programm stehen Dinge wie: Entscheidungsfindung (emotional vs. Rational), Herausforderungen in Möglichkeiten umwandeln, eigene Ängste definieren und im Rahmen einer Komfortzonenaktivität konkret daran arbeiten und ganz viele andere spannende Dinge mehr. Darüber hinaus arbeiten die scholars an ihren ersten sozial-innovativen Ideen und beschäftigen sich mit der Recherche zu dem von ihnen erkannten gesellschaftlichen Herausforderung. Auch die Innovationsmethode Design Thinking zur Ideenfindung steht auf dem Programm.
Stufe 3: Concentration Stage

Die TeilnehmerInnen konzentrieren sich auf den Aufbau ihres Sozialunternehmens, bauen sich langsam ihr Netzwerk auf und arbeiten bereits sehr selbstständig. Sie bekommen wie auch in der Emerging Stage Coaches und Mentoren zur Seite gestellt.
Stufe 4: Linking Stage

In dieser Stufe verlassen die TeilnehmerInnen mit ihrem Sozialunternehmen SINA und wagen den Schritt in den Markt der Sozialunternehmen.
Es ist wichtig zu erwähnen, dass die TeilnehmerInnen auch eine Stufe zurück gehen können, wenn sie noch nicht bereit sind oder an einer anderen Ideen arbeiten möchten. Es ist ein iterativer Prozess, der viel Entwicklungs- und Gestaltungsfreiraum lässt.
Eine große Ideenvielfalt spiegelt die Geschichten der Menschen wieder

Die Ideen der jungen Menschen sind sehr vielfältig und fast alle Ideen sind an persönliche Geschichten geknüpft:
Wie Andrew blinde Frauen zu Expertinnen für Brustkrebs machen möchte

Da ist zum Einen Andrew, der die „Gifted Hands Foundation“ gegründet hat. Seine persönliche Motivation, Brustkrebs zu bekämpfen kann ich zunächst nicht erraten. Seine Geschichte berührt mich und macht sein Engagement mehr als verständlich: Andrews Mutter ist durch einen schlimmen Unfall erblindet und konnte als alleinerziehende Mutter die Familie nicht mehr versorgen. Seine Schwester starb an einer Krankheit, weil die Familie nicht für ihre Medikamente aufkommen konnte. Andrew (25 Jahre alt) fasste daraufhin vor einigen Jahren den Entschluss, einen Studiengang mit dem Thema „Behinderung“ zu studieren. Er recherchierte, wie es blinden Menschen möglich sein könnte, selber Geld zu verdienen. Er traf auf die Discovering Hands Foundation aus Deutschland, welche blinde Frauen dazu ausbildet, Brustkrebs durch das Ertasten zu erkennen. Der junge Sozialunternehmer nahm Kontakt zu der Organisation auf und baute eine Kooperation auf. In ein paar Tagen werde ich zu seiner Fundraisingveranstaltung in Kampala gehen: Dort wird ein großes „dinner in the dark“ stattfinden, welches er zum ersten Mal organisiert. Das Geld wird dafür verwendet, dass vier Frauen, zwei Blinde und zwei Sehende, in Deutschland für sechs Monate zu „Ertasterinnen“ ausgebildet werden und darauf hin in Uganda weitere blinde Frauen ausbilden. Ich bin absolut begeistert von Andrews Geschichte, seiner Motivation, seinem Kämpfergeist, seinem Willen, etwas zu verändern.
Joan und ihr Kampf gegen Malaria und deren persönlichen Nebenwirkungen

Joan ist eine tolle junge Frau ( 21 Jahre), die als Kind fast jede Woche an Malaria erkrankte. Sie wurde ausgegrenzt, gehänselt und als HIV-infizierte beschimpft, da sie durch die ständige Krankheit sehr dünn wurde. Sie verpasste oft die Schule. Heute möchte sie gegen Malaria ankämpfen und einen Mückenschutz entwickeln, der auf biologischen und natürlichen Substanzen basiert, welche den Körper nicht schädigen. 

Die beiden sind nur zwei Beispiele von so vielen anderen jungen Menschen mit tollen Ideen. Die TeilnehmerInnen wollen Müll bekämpfen und ihn upcyclen, sie wollen sich gegen Prostitution von jungen Frauen einsetzen, Kinder und Jugendliche dazu befähigen, sich selber zu entdecken, Frauen und ihre Kleinunternehmen bestärken und so vieles mehr. 


Unterstütze dieses tolle Projekt!!! 
Ich würde mich unfassbar unfassbar freuen, wenn du etwas für die Social Innovation Academy spenden würdest. Es ist ja bekanntlich Weihnachtszeit und für mich ist dieses Projekt absolut unterstützenswürdig. Du kannst das Geld einfach an den deutschen Verein „Jungu e.V.“ Mit dem Verwendungszweck „Social Innovation Academy“ spenden. Auch Besuche und Freiwillige mit bestimmten Kenntnissen sind immer herzlich willkommen! Ich sage schon mal danke, denn dieses tolle und wichtige Projekt liegt mir sehr am Herzen.                                       
 Jangu e.V /// IBAN: DE54120300001005414055 ///. BIC: BYLADEM1001 /// Verwendungszweck: Social Innovation Academy 

Hier findest du mehr Infos: http://www.socialinnovationacademy.org

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4 Gedanken zu “Mein Monat in der Social Innovation Academy – vom voneinander Lernen 

  1. Toll, du kannst mit den Beschreibungen deiner Begegnungen mit Menschen und deren Ideen echt den Leser mit deiner Begeisterung anstecken! Ich bin sehr stolz, dich als Tochter zu haben!

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