Unterwegs im warmen Herzen Afrikas – Malawi

Ich bin schon seit zwei Wochen nicht mehr in Malawi. Diese Erlebnisse hatte ich während meiner 10-tägigen Zeit im warmen Herzen Afrikas. 

„Glauben Sie, dass Ihr Pick-up heute noch das fehlende vierte Rad erhalten wird?“, frage ich den Besitzer des einzigen Gefährtes, welches mich potentiell auf den Berg zu meiner Unterkunft im tiefen Norden Malawis bringen könnte. Seit Stunden bin ich schon unterwegs, seit ich am Morgen Mbeya in Tansania verlassen habe. Ich bin nicht funktionierenden Geldautomaten an der Grenze begegnet, habe deswegen einen Zwischenstopp in der nächstgrößeren Stadt eingelegt und bestimmt jeweils eine Stunde in zwei verschiedenen Minibussen gewartet, bis sie endlich losgekrochen sind (um, wie immer, wieder alle paar Meter zu halten). Was faszinierend ist: Der eine Bus war bestimmt eine Stunde bereits voll, aber der Fahrer war einfach nicht auf zu finden…
„Ja, so in 2 1/2 Stunden sollte das Auto repariert sein und dann müssen wir noch warten, bis sich die Ladefläche mit Leuten füllt.“, bekomme ich als Antwort. Ich schätze die Dauer der ganzen Warterei auf fünf Stunden ein. Als mir ein weiterer junger Mann meine weiteren Optionen serviert: 1) 50 Dollar für ein privates Auto oder 2) circa zwei Stunden (samt meines ganzen Gepäcks) auf den Berg wandern – bin ich schon recht frustriert und setze mich erstmal erschöpft in den Schatten um zu schauen, was passiert und hoffe auf ein Wunder. Das Wunder lässt im Endeffekt nicht lange auf sich warten. Ich werde von einer Familie mit netten Teenagerjungs, Onkel und Vater für einen geringen Preis die extrem holprige Bergstraße mitgenommen (ich habe noch nie in meinem Leben eine solch schlechte Straße gesehen, die eigentlich nur aus Geröll besteht) und genieße die fantastische Aussicht auf die hügeliege Landschaft und den wunderschönen Malawisee, der von hier oben aussieht wie ein Meer.

 

Nach achterbahngleichen  1 1/2 Stunden erreichen wir einen kleinen Weg, der mich zur „Mushroom farm“ in der Nähe der alten Missionarsstation „Livingstonia“ bringen soll – einem Sozialunternehmen in Form eines Ökohostels, mit sehr stilvollen Komposttoiletten, einer schönen Terrasse und einem unfassbaren Panorama. Hier möchte ich mich ein paar Tage ausruhen, was ich auch brauche, denn meine Gesundheit lässt mich wieder im Stich und meine ominöse Krankheit tritt in einer weiteren unschönen Art und Weise zu Tage.
Trotz allem genieße ich an einem Tag eine wundervolle Wanderung, bei der ich die Landschaft bestaune, die Weite, die Berge, die Felsen, die dramatisch in die Tiefe stürzen und den Blick auf den hellblauen Riesensee. Ich habe wieder Menschen um mich, die sich um mich und meine Gesundheit sorgen, nachfragen, sich kümmern. Ich bin sehr dankbar für diese lieben Menschen, die mir wieder das Gefühl geben, nicht alleine zu sein.
Mein größtes Glück während meiner Zeit in Malawi ist das Kennenlernen von Kat in dem Hostel mit dem lustigen Namen (der übrigens daher kommt, dass in dieser Region sehr viele Pilze wachsen). Kat kommt aus Südafrika und ist mir auf Anhieb sehr sympathisch. Mit ihr verbringe ich eine Woche voller kleiner Erlebnisse, Erholung, tiefsinnigen und schönen Gesprächen, Inspiration, viel Lachen und Wanderungen im warmen Herzen Afrikas, wie Malawi auch genannt wird.Die Begegnung mit dieser vielseitigen Frau ist wie Medizin für mich und genau das richtige, was ich in diesem Moment brauche. Ich sehnte mich nach jamenden, mit dem ich nicht nur ein oder zwei Tage verbringen, sondern mit dem ich ein paar Tage gemeinsam reisen kann. 

Auf dem Weg zum riesigen Malawisee machen wir zunächst bei einem Krankenhaus in der nächstgrößeren Stadt halt, um mich ein weiteres mal untersuchen zu lassen. Ich werde wieder ein wenig Blut los nur um mir dann anhören zu müssen, dass nicht genau rausgefunden werden kann, was ich eigentlich habe („wir haben nicht die geeigneten Instrumente hier.“). Ich könnte einfach ein Antibiotikum gegen die unbekannten Bakterien nehmen, ob das hilft, weiß er selber nicht. Er empfiehlt mir eine Bakterienkultur, die aber in einem anderen Krankenhaus gemacht werden muss und Tage dauert. Frustriert über das Gesundheitssystem in diesem Teil der Welt machen tröste ich mich mit dem Gedanken, in einem riesigen Shoppingcenter nach Essen ausschau zu halten. Seit Wochen habe ich einen solch großen Supermarkt nicht mehr gesehen und kann mich vor Hunger gar nicht richtig auf die Vielfalt konzentrieren. Kat und ich schieben unsere Einkaufswagen vor uns hin, die vor allem mit unseren großen Rucksäcken gefüllt sind – wir müssen ein lustiges Bild abgeben. Kat entdeckt ein paar Picknicktische, wir parken unsere Einkaufswagen samt Rucksäcken neben uns und breiten unser Essen aus: Müsliriegel, deutsches Knäckebrot, Ziegenkäse, Gurkenscheiben und getrockenete Tomaten. Ich fühle mich ein wenig wie auf einem Rastplatz im westlichen Europa und genieße die etwas skurile Situation. 
Wir verbringen ein paar Tage gemeinsam in Nakata Bay – einem relativ verschlafenen kleinen Ort am Malawisee. Dort machen wir Bekanntschaft mit den Seefliegen, welche von Weitem wie Rauchschwaden über dem See aussehen (uns wurde gesagt, dass sie viele Proteine enthalten und gut schmecken würden). An einem Tag paddeln wir gemeinsam im Sitzen auf Stand-up-Surfbrettern über den See, als eine riesige Fliegenwolke immer näher kommt. Zum Glück entscheiden sich die Viecher, über das Land zu fliegen, sodass wir von Weitem beobachten können, wie sich die Fliegenwolke über das Land bewegt – es sieht aus wie eine dunkle Rauchschwade. Wir sind heilfroh, dass wir nicht in Berührung mit dieser recht respekteinflößenden Wolke machen müssen. 

Es ist schön jemanden zu haben, mit dem man sich stundenlang unterhalten und ebenfalls gemeinsam schweigen kann. Wir sind in einem sehr ähnlichen Reisemodus und verstehen uns sehr gut. Auch das nächste Reiseziel steuern wir gemeinsam an: Ich habe mir irgendein Plateu aus dem Internet rausgepickt im Nirgendwo, wo eine schöne Lodge mit Sauna sein soll. Nach erneuten strapaziösen Stunden im Minibus (diesmal musste ich meinen Kopf für circa zwei Stunden um 90 Grad neigen, weil er sonst mit dem Autodach Bekanntschaft gemacht hätte), kommen wir im Nichts an, um von dort abgeholt zu werden. Es kommen ein paar Frauen auf uns zu, die große Eimer mit seltsamen Früchten und massenweise Pilze mit sich rurmtragen. Sollte man fremde Pilze in fremden Ländern an fremden Straßenrändern von fremden Frauen kaufen? Die Frauen freuen sich, uns zu sehen und stellen sich in einem Halbkreis um uns herum. Wir entscheiden uns für den Kauf und steigen in das Auto unseres Abholservice. Wir fahren durch grüne, leicht hügelige Landschaften, vorbei an einem kleinen Dorf, welches sich dem Holzgeschäft gewidmet hat. Ich bekomme einen kleinen Schreck, als wir zu dem einzigen Dorm geführt werden: Es handelt sich um einen sehr großen Raum im Dunkeln mit bestimmt 20 Betten. Auch wenn kein Mensch hier ist sind wir von diesem Zustand alles andere als begeistert. Da die Suite weit über meinem Budget liegt zahlt Kat für mich nach Preisverhalndlugen für mich einen Teil mit – was für eine großzügige Geste, welche sie mit den Worten „Das passiert einem halt manchmal auf Reisen.“ kommentiert. Wir ziehen uns gleich die kuscheligen Bademäntel über und freuen uns über den Regen draußen, der uns zusammen mit den zaftig Grünen Wiesen eher an Europa erinnert. Als hätten wir es geahnt finden unsere Pilze und aus dem Minibus gekauften Tomaten an diesem Abend am Kaminfeuer ihre Verwendung: Anstatt ein teures Gericht in der Lodge einzunehmen, wird uns für umgerechnet fünf Euro aus unseren Zutaten ein köstliches Mahl zubereitet, was noch besser schmeckt, weil wir eine Geschichte zu den Zutaten haben 🙂

Die Tage in der Lodge verbringen wir mit kleinen Wanderungen, Sonnenbädern in unserem kleinen Vorgarten, Saunieren während es draußen regnet, Sitzen vor dem Kamin (ich hätte nicht gedacht, dass ich den Winter in Deutschland mal vermissen würde) und ausruhen. Es geht mir viel besser nach dieser Zeit mit Kat in Malawi, ich spüre, wie ich gesünder werde (eine Erkältung hatte ich mir auch noch eingefangen). Ich genieße die Gespräche und dass ich einen Menschen gefunden habe, bei dem ich mich wohlfühle und der mich inspiriert. In nur einer Woche haben wir uns so viel anvertraut, Perspektiven ausgetauscht, über das Leben philosophiert und einander aufmerksam zugehört. Kat ist eine besondere Person, ein Freigeist mit einem großen Herz. Sie arbeitet zwei Monate im Jahr in Kalifornien auf einer Hanffarm (für medizinische Zwecke), fliegt regelmäßig nach Indien, um Schmuck zu kaufen, um diesen weiter zu verkaufen (das tat sie sogar bereits auf dem Maybachufer Markt in Berlin). Außerdem arbeitet sie als Yogalehrerin und reist seit vier Jahren um die Welt, um immer wieder in ihre Heimatstadt Kapstadt für eine Weile zurück zu kehren. Ihr Leben inspiriert mich und ich höre gerne ihren Geschichten zu. Auf der anderen Seite inspiriere ich sie durch meine Projekte, die ich in den letzten Jahren durchgezogen habe. Es macht ihr Mut, selber etwas ins Leben zu rufen. Laut ihrer Vorstellung begegnen sich Menschen nicht zufällig, sondern bringen immer mit einem bestimmten Lerneffekt mit einher.
Ich lerne von ihr noch stärker, selbstbewusster, freier, unkonventioneller, großzügiger zu sein. Ich lerne von ihr, dass man sich das Leben auch „zusammenpuzzlen“ kann. Das ein Job eben nicht aus einem einzigen Arbeitsplatz bestehen muss, sondern aus vielen unterschiedlichen Passionen überall auf der Welt, mit denen man Geld verdient. Diese Art von Freiheit ist Inspiration für mich und lässt mich darüber nachdenken, wie ich mit meinen Leidenschaften nach meiner Rückkehr von meiner Reise mein Geld verdienen kann und trotzdem frei und flexibel sein kann. Ich habe auch bemerkt, wie ich in  manchen Momenten ihr gegenüber etwas unsicher oder vorsichtigbin, meine eigene Meinung durch zu setzen. Mir ist wieder aufgefallen, wie unterschiedlic ich mit unterschiedlichen Charakteren verhalte. Ich bin dankbar für die Begegnung mit Kat und den vielen freundlichen und zuvorkommenden Menschen in Malawi, einem Land, in dem ich gerne noch etwas länger geblieben wäre. 

Die Weiterfahrt in die Hauptstadt Lilongwe dürfen wir im Jeep eines Deutschen genießen, der mit dem eigenen Auto für zwei Monate reist. Ich fühle die Entspannung, kann die Landschaft ganz anders genießen, fühle mich viel freier und schwöre mir, das nächste Mal in Afrika mit einem eigenen Auto zu reisen. Kein Wunder, dass der freundliche Jeepbesitzer eigentlich nur tolle Zeiten während seiner Reise hatte – er war ja nie auf die öffentlichen Transportmittel angewiesen.
Danke Malawi – in dir konnte ich zur Ruhe kommen und gesund werden. Danke Kat – für eine neue wertvolle und inspirierende Freundschaft in meinem Leben.


Fragen an dich: 

Erinnere dich an eine Reise, in der du neue Freundschaften geschlossen hast. Wie war diese Person? Was hat sie zu etwas Besonderem gemacht? Was hast du von ihr gelernt? In welchem Moment ist diese Person während deiner Reise in dein Leben getreten? Wie hast du dich zu diesem Zeitpunkt gefühlt? Was hat sie inn dir verändert?

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