Auf Entdeckungsreise – Islha de Mosambik

Wir haben die Insel bereits vor einer Woche verlassen. Inzwischen befinden wir uns in Pempa in Mosambik. 

Es fließen ein paar Tränen meinerseits, als ich meinen Bruder Konstantin nach vier Monaten wieder in die Arme schließen kann. Ich war 4 Tagen unterwegs zu ihm aus Malawi, um ihn in einer unbedeutenden mosambikanischen Stadt zu treffen. Mosambik – seit dem ich vor Jahren die mosambikanische Botschaft beim Tag der offenen Botschaften in Berlin besucht habe, habe ich diesen Wunsch in meinem Kopf, eines Tages nach Mosambik zu reisen. Warum wusste ich selber nie so genau. Bereits in meiner ersten mosambikanischen Stadt – Cuamba – wurde ich von sehr freundlichen Menschen empfangen und mein Herz hat sich geöffnet. Ich war froh hier zu sein und mit meinem Bruder circa einen Monat rumzureisen.

Unsere erste Station: Islha de Mosambique. Die Transportgeschichte lasse ich diesmal weg, ich möchte nicht langweilen mit den immer gleich ablaufenden strapaziösen und absurden Erzählungen von öffentlichen Verkehrsmitteln. Nur so viel: Mein Bruder hatte schon nach seiner ersten Fahrt im Chappa (so werden die Minibusse in Mosambik genannt) die Schnauze voll. Ich scheine da inzwischen etwas abgehärtet zu sein. Eine sehr sehr lange Brücke führt uns zur Insel im indischen Ozean – ein geschichtsträchtiger Ort, deren Bewohner unglaublich freundlich sind und es an jeder Ecke etwas Neues zu entdecken gibt. 

Überall werden wir freundlich begrüßt und angelächelt. Es ist Nebensaison und wir schätzen den Touristenbestand auf der Insel auf circa 15 Menschen inklusive uns ein. Aber auch sonst spürt man sofort, dass dieser Teil der Erde touristisch noch weit entfernt vom Massentourismus ist. Ich freue mich, mein bruchstückhaftes Portugiesisch zum Besten zu geben, welches ich in dem letzten Monat mit Hilfe einer Sprachapp etwas gelernt habe. Mir fällt auf, wie es mich motiviert in einem Land unterwegs zu sein, deren Sprache ich lernen möchte. Ich bin überrascht, wie viele Menschen doch Portugiesisch hier sprechen und dass eine betrachtliche Anzahl an Menschen sogar Portugiesisch untereinander spricht. Die andere Sprache in Kombination mit dem herrlichen Meer und den portugisieschen Kolonialbauten lassen eine ganz andere Welt um mich herum entstehen, als ich sie in den letzten Wochen in den anderen afrikanischen Ländern erlebt habe. 

Wir fühlen uns ein wenig wie Entdecker und es ist spannend zu wissen, dass diese Gegend noch nicht wirklich erschlossen ist. Auf dem Sandboden entdecken wir immer wieder kleine Scherben wertvollen Mingporzellans aus China, womit während der kolonialen Besetzung unter anderem gehandelt wurde. Ich komme in eine leichte Goldgräberstimmung und freue ich jedes Mal wie ein kleines Kind beim Ostereiersuchen, wenn ich eine solche Scherbe auf dem staubigen Boden entdecke. Kaum zu glauben, dass es Orte gibt, wo solche Dinge so einfach auf dem Boden liegend gefunden werden können. Uns wird erklärt, dass der Wert dieser Funde erst vor Kurzem entdeckt wurde und dass nun immer mehr Scherben und antike Perlen (die beispielsweise bei Bauarbeiten gefunden werden) gesammelt und zu Schmuck weiter verarbeitet werden. 
Bei einer Tour durch den von Einheimischen bewohnten Teil, welcher sich circa zwei Meter tiefer als der restliche Teil der Stadt befindet (was daran liegt, dass die Portugiesen diesem Teil damals Steine für den Bau ihrer Bauten entnommen haben) bekommen wir spannende Einblicke in das Leben der Menschen. Die Tour ist sehr authentisch und wird von Harry Potter höchstpersönlich durchgeführt – dem quiligen UNESCO Tourguide mit Rasatzöpfen der Insel. Wir dürfen bei einigen Bewohnern sozusagen hinter die Kulissen schauen und betreten ihre Häuser. Wir treffen eine alte Heilerin und Koskosküchleinbäckerinnen, welche diese Köstlichkeiten in einem heißen Hinterzimmer auf dem Boden herstellen. Es ist sehr heiß in diesem Raum, noch heißer als die eh schon circa 40 Grad heiße Außentemperatur. Ich treffe einen kleinen Jungen, mit dem ich spontan Kampfsport auf Distanz ausübe und freue mich über diese kurze und lustige Begegnung. Ich spüre meine Begeisterung für diese Begegnungen und erinnere mich wieder daran, was für mich Reisen unter anderem besonders ausmacht: Die kleinen Begegnungen mit den Menschen und der Einblick in ihr Leben.

Fischmarkt: Unzählige Menschen tummeln sich an dem kleinen Küstenabschnitt der Insel. Ein Boot kommt an und während ein Teil der Menschen vor ihren eigenen Fischeimern und kleinen Ständen sitzt stürmt der andere Teil zum Wassergefährt, um sich wahrscheinlich den besten Fang zu sichern. Mutig kaufen wir einen langen und drei bunte Fische und ich habe fest vor, am Abend Fisch zuzubereiten. Ein paar Stunden später kostet es dann doch reichlich Überwindung, meinen ersten Fisch auszunehmen und ich befinde mich definitv außerhalb meiner Komfortzone. Am Ende bin ich jedoch sehr stolz auf den köstlich gegrillten Fisch mit Gemüse, den wir uns selber servieren und schmecken lassen.
Während der Tage auf der Insel erfahren wir sehr viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, ohne dass immer eine Gegenleistung erwartet wird. Während man in anderen Ländern manchmal skeptisch wird, weil man am Ende einer „Ich zeige dir wo dies und das ist“- Hilfeleistung eine Bitte um Geld erwartet merkt man hier schnell, dass die Menschen einfach nur helfen wollen und interessiert daran sind, einen kennen zu lernen. Ich fühle mich hier nicht von Männern belästigt, was aber auch daran liegen mag, dass ich mit meinem Bruder unterwegs sind. 

Eine weitere großartige Entdeckung ist ein riesiger Wassertank in einer alten Festungsanlage: Die Akustik ist hier so großartig, dass sich mein Bruder und ich dazu entschließen, hier ein paar Gesangsaufnahmen zu machen. Wir singen und experimentieren und ich bin voll im Moment und genieße das Baden in Gesang und Klängen. 

Mit einem Segelboot machen wir uns an einem Tag auf zu einer unbewohnten Insel. Die Sonne scheint wie jeden Tag unermüdlich (wo ist eigentlich die Regenzeit, auf die ich mich eingestellt habe?) und der Wind bläst Antrieb in unser Segel. Auf der einsamen Insel genießen wir das türkisfarbene Wasser, den Leuchtturm in der Abenddämmerung, die Gitarrenkünste und Gesänge meines Bruders, unzählige fantastische Muscheln, die Sterne und Sternschnuppen und frisch gebratenen Fisch. In der Nacht bekomme ich jedoch unter dem freien Himmel nicht ganz so gut die Augen zu in ANbetracht dessen, dass lauter kleine Krebse ihr Unwesen auf der Insel treiben.
Die Zeit auf der Insel war erlebnis- und entdeckungsreich. Sie hat meine Neugierde geweckt und mir wieder gezeigt wie viel Spaß es macht, Dinge gemeinsam zu erkunden und zu entdecken. Ich fühle mich wohl in diesem Land und erfreue mich über die kleinen Schätze, die mir jeden Tag begegnen und von denen ich etwas lernen kann.

Frage an dich:

Warst du schon mal an einem Ort, an dem du dich über viele kleine Entdeckungen gefreut hast? Was hast du entdeckt? Wie hat sich deine Neugierde angefühlt? Was war das genau für ein Ort und was hat er in dir ausgelöst?




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Ein Gedanke zu “Auf Entdeckungsreise – Islha de Mosambik

  1. Liebe Roni,
    Deine Schilderungen waren wieder sehr plastisch,stelle mir gerade vor wie die Krebse über Deine Füße laufen!
    Weiterhin viel Spaß mit Konsti, wir sehen uns bald in Südafrika!
    LG Dein Papa

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