Ein Vater-Tochter-Abenteuer durch Südarika

Diese Geschichte ist schon etwas älter undereignete sich Mitte März 2017


Aufgeregt stehe ich am Flughafen von Kapstadt, um meinen Vater in Empfang zu nehmen, der mich hier in Südafrika für 10 Tage besucht. Nach den handvoll gemeinsamen Tagen in Italien vor sechs Monaten hatte ich das starke Bedürfnis, für etwas länger mit meinem Vater zu reisen. Eigentlich wollte ich ihm „meine“ Art zu reisen zeigen – das Backpacken. Doch nach den Monaten in Afrika mit dem Rucksack habe ich nicht mehr wirklich die Kraft, mich mit ihm in dieses Abenteuer zu stürzen. Vor ein paar Wochen dachte ich noch, mit ihm gemeinsam mit dem Rucksack Vietnam zu erkunden. Nun ist alles anders: Ich bin in Südafrika und wir werden mit dem komfortablen Mietauto die Gegend erkunden. „Ich würde ein Mietauto mieten für unsere gemeinsame Zeit. Wenn du allerdings weiterhin eingequetscht in engen und heißen Bussen fahren möchtest, lassen wir das mit dem Mietauto.“, schrieb er mir ein paar Wochen zuvor sarkastisch in einer Email. Mein „ich möchte anderen die Welt und Abenteuer zeigen“ – Herz wollte das Auto nicht. Aber mein Körper und Geist schrie nach dem langersehnten Komfort. Und so kam es, dass mein Vater und ich Kapstadt, die Umgebung und die südliche Küste mit unserer weißen etwas klapprigen Mietwagenkiste erkundeten.

Was entdecken das „weiße“ Südafrika, mit den schönen und mondänen Villen, den niedlichen schicken Örtchen und guten Restaurants. Genießen leckeren Kuchen auf einem wunderschönen Weingut, schlafen in schönen Unterkünften. Ich genieße dies alles und vor allem auch die große Flexibilität, die wir mit dem Auto haben. Es fühlt sich so sehr nach Freiheit an, einfach überall hinfahren und anhalten zu können. Was uns beide beeindruckt ist die unfassbar schöne Natur, die sich immer wieder ändert: Wir fahren durch trockene Gebiete, durch majestätische Berge, grüne Täler, tropische Wälder, schlängeln uns über Serpentinen die Hügel hinauf, sehen traumhafte Sonnenuntergänge, bestaunen die Pinguine, blicken nach einer schweißtreibenden Wanderung vom Tafelberg in die Weite des Meeres und der Berge. Wir fahren Kanu über einen wundervollen kleinen Fluss, an derem Ufer wir unzählige Vögel entdecken und kriechen durch das abenteuerliche Gängesystem einer fantastischen Tropfsteinhöhle. Wir unterhalten uns darüber, wie seltsam doch die Paralleluniversen zwischen weiß und schwarz hier in Südafrika sind und mein Vater ist jedes Mal erstaunt, wenn wir an einem Township vorbeifahren, kurz nachdem wir in einem der mondänen kleinen Städchen der überwieged Weißen waren.

Mein Vater ist von der Natur begeistert und lebt seine Leidenschaft für die Fotografie voll aus. Ich stelle wieder fest, wie wunderbar spontan er ist, wie er so viele Dinge einfach mitmacht, wie unternehmungslustig und humorvoll er ist. Bei meinem Vater kann ich einfach ich selber sein, nehme kein Blatt vor den Mund, darf ein Kind sein uns weiß immer, dass er mich über alles liebt. Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind und uns in manchen Momenten gegenseitig nerven, spüren wir doch beide, wie wichtig diese Zeit für uns ist. Ich kann nicht wirklich sagen, dass ich ein „Mamakind“ bin, aber meine Mutter ist für mich oft die erste Ansprechperson, eine sehr wichtige enge Vertraute. Nach einer prägenden Begegnung vor 1,5 Jahren auf Sri Lanka mit einem Vater, der mit seinen erwachsenen Kindern gereist ist, nahm ich mir vor, mehr intensive Zeit mit meinem Vater zu verbringen und mit ihm zu reisen. Er ist ein so toller Mensch, der zwar nicht immer versteht, warum seine Kindern die doch teilweise sehr unkonventionellen und krummen Wege einschlagen, der aber immer für uns da ist und uns so viel Liebe schenkt. Es tut mir in manchen Momenten leid, dass ich so sehr in die Rolle des Kindes zurückfalle. Es ist für mich faszinierend zu beobachten, wie ich mit Freunden oder neuen Bekannten und auch alleine mich ohne großartig zu schimpfen den Berg hochkämpfen würde und ich mich anfangs mit meinem Vater benehme wie ein bockiges Kind, als wir in der Mittagshitze den Tafelberg besteigen wollen. Ich habe in manchen Momenten den Eindruck, für mich ist die Zeit stehen geblieben und ich verhalte mich wie vor Jahren. Meinen Vater scheint das nicht sonderlich zu stören, er bemerkt mein kindliches Verhalten teilweise gar nicht. Ich schmäme mich manchmal jedoch dafür und nehme mir jedes Mal vor, gelassener und nicht so impulsiv zu reagieren. Gleichzeitig muss ich gestehen, dass ich das „Kind sein“ genieße. Ich werde umsorgt, werde zum Essen eingeladen, darf in schönen Betten schlafen, darf mich „kindisch“ verhalten, ohne dass es mir übel genommen wird. Auf der anderen Seite übernehme ich Verantwortung für unsere Route und stelle fest, wie erwachsen ich geworden bin und dass auch mein Vater viel von mir lernen kann. Er bewundert meinen Mut und wie ich Dinge angehe. Ich weiß, dass ich ihn inspiriere und das gibt mir ein wundervolles Gefühl. Eltern können so viel von ihren Kindern lernen und wir von ihnen, auch wenn wir bereits „erwachsen“ sind. Es hört eigentlich nie auf. 

Ich merke, wie schwer er sich manchmal tut, meinen Lebensweg (vor allem den beruflichen) nachzuvollziehen. Ich merke in einigen Gesprächen meinen Frust aufkommen. Auch wenn ich rational weiß, dass sich Eltern eben oft Sorgen machen und es für einige einfacher ist, wenn man eher gradlinige Wege einschlägt, will meine emotionale Seite davon nicht so wirklich etwas wissen. Ich fühle mich manchmal unverstanden und weiß doch gleichzeitig, dass mein Vater einfach nur möchte, dass ich in „Sicherheit“ bin und dass es mir gut geht. Er möchte das Beste für mich. Jeder Mensch und jede Generation hat eben andere Vorstellungen vom Leben und wie Lebenswege aussehen können. Ich weiß, dass es bezüglich der eigenen Lebensweg gestaötung wichtig ist, dass ich meine Eltern mit einbeziehe, aber auch nicht verzweifle, wenn sie nicht alles verstehen oder gut finden. Das wichtige für mich ist, dass ich meinen Weg gehe und meine Eltern trotzdem für mich da sind und mich unterstützen, auch wenn sie ihre Zweifel äußern und nicht alles gut finden. Dies ist bei mir der Fall und dafür bin ich sehr dankbar. Ich muss mir einfach öfter selber sagen, dass die zweifelnde Anmerkungen und Fragen meiner Eltern Zeichen ihrer Fürsorge sind, vieleicht ihre Berechtigung haben und ich anstelle von Abwehr lernen muss, anders darauf zu reagieren.Vielleicht sollte ich die Zweifel und Sorgen eher wie ein Geschenk annehmen, für das ich mich bedanke, es zur Seite lege und in einem ruhigen Moment mit klarem Geiste auspacke.

Diese Reise hat meinen Vater und mich näher zusammengebracht und wir haben uns von einer anderen Seite kennen gelernt. Wir hatten viel Zeit, um uns auszutauschen. Aber manchmal sind es gar nicht mal so sehr die Worte, die gewechselt werden müssen in Form von tiefen und klärenden Gesprächen. Manchmal ist es einfach nur wichtig, Zeit miteinander zu verbringen, laut im Auto zur Musik zu singen, faul am Strand zu liegen, sich gemeinsam über die Natur zu freuen, sich ähnliche Fragen über die Ungerechtigkeit im Land zu stellen, hin und wieder aneinander zu geraten, zusammen zu lachen, sich nicht verstellen zu müssen, spontan auf den Berg zu fahren, um beim Sonnenuntergang Sushi to go zu essen, sich gegenseitig eine Freude zu machen, gemeinsam ein köstliches Stück Kuchen zu essen und sich von den gleichen Dingen begeistern zu lassen. All diese Erlebnisse sind genauso wichtig wie die Gespräche. 

Als mein Vater wieder zurück nach Deutschland fliegt bin ich traurig. Ich bin so dankbar für die gemeinsame Reise, während der ich so viel Kraft schöpfen konnte. Nicht nur, weil alles viel einfacher war durch das Auto und die schönen Unterkünfte, etc. sondern auch, weil ich mit meinem Vater zusammen sein konnte. Ich bin mir am Ende sicher, dass dies nicht die letzte Reise zu zweit gewesen ist. Das nächste Mal mit Rucksack. 
An dieser Stelle möchte ich etwas aussprechen: „Danke Papa für deine Liebe, für dass, was du mir im Leben ermöglichst, dein Vertrauen, dein Mutmachen. Und auch wenn du nicht alles verstehst, was ich ich mache und wie ich mein Leben und meinen beruflichen Weg gestalte: Danke, dass du trotz deiner Zweifel im Endeffekt zu mir hälst. Ich kann mir vorstellen, dass es ist nicht immer einfach ist, wenn die Kinder vielleicht nicht die Wege einschlagen, die man sich im ersten Augenblick für sie wünscht und vorstellst. Danke, dass ich diesen Weg trotzdem gehen kann! Hab Vertrauen! Ich liebe dich!“


Fragen an dich: 

Hast du schon einmal eine Reise mit einem Elternteil gemacht? Wo warst du? Was habt ihr gemacht? Wie war diese Reise für euch? Was habt ihr voneinander gelernt? Was waren die Schwierigikeiten und warum glaubst du, dass sie auftraten? Wie hat sich eure Beziehung dadurch verändert? Wofür bist du deinen Eltern dankbar? Was können sie von dir und wie du dein Leben führst lernen? 



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